GESCHICHTE & KAFFEEKULTUR · ESPRESSO BECKER MAGAZIN

Vom Dampfkessel zum Vollautomaten: Die Geschichte der Kaffeemaschine

Ein Knopfdruck, ein kurzes Mahlen, dann läuft der Kaffee in die Tasse. Dahinter steckt eine Geschichte voller Ideen: vom schnellen Kaffee im Café bis zum Vollautomaten für zu Hause.

Wenn Sie morgens Ihre Kaffeemaschine einschalten, denken Sie vermutlich selten an die Menschen, die diesen kleinen Komfort möglich gemacht haben. Dabei erzählt das Gerät auf der Arbeitsplatte von ganz unterschiedlichen Wünschen. Kaffee sollte schneller fertig werden, weniger Satz in der Tasse hinterlassen oder einfacher zuzubereiten sein. Und irgendwann sollte eine Maschine möglichst viele Handgriffe selbst übernehmen.

Die Kaffeemaschine hat deshalb keinen einzelnen Erfinder und keinen eindeutigen Geburtstag. Filterkaffee, Espresso und Vollautomaten haben eigene Entwicklungslinien, die sich immer wieder berühren. Ein Blick auf einige wichtige Stationen zeigt, wie daraus unsere heutige Vielfalt entstand.

Lange vor dem Espresso: Kaffee als Erfinderaufgabe

Schon im frühen 19. Jahrhundert beschäftigten sich Erfinder mit Apparaten zur Kaffeezubereitung. Ein zeitgenössischer Bericht im Polytechnischen Journal beschreibt Romershausens Extraktionspressen und Versuche, Pflanzenstoffe mithilfe von Luftdruck zu gewinnen. Kaffee gehörte zu den Anwendungen dieser Technik. Das klingt heute nach Labor, zeigt aber, wie früh man nach anderen Wegen als dem einfachen Aufgießen suchte. Zum historischen Bericht

Diese frühen Apparate waren noch keine Vollautomaten und auch keine Espressomaschinen nach heutigem Verständnis. Sie gehören zu einer längeren Suche nach einer besser beherrschbaren Zubereitung. Nicht jede Idee setzte sich durch; manche blieb ein Versuch, andere wurde weiterentwickelt.

1884: Weniger Warten im Café

Angelo Moriondo gehört zu den wichtigen Namen der frühen Kaffeemaschinengeschichte. 1884 wurde seine Maschine in Turin bekannt. Das Kaffeemaschinenmuseum MUMAC beschreibt sie als einen Apparat, der Kaffee schnell und in größeren Mengen bereitstellen konnte. Entscheidend ist dabei eine Einschränkung: Der Kaffee wurde noch nicht Tasse für Tasse frisch für den einzelnen Gast zubereitet. MUMAC zur frühen Entwicklung

Moriondos Maschine einfach als fertige Erfindung des heutigen Espressos zu bezeichnen, wäre deshalb zu kurz gegriffen. Ihr Platz in der Geschichte liegt auch darin, die Kaffeezubereitung für den Betrieb eines Cafés zu beschleunigen.

Bezzera: Die einzelne Portion rückt in den Mittelpunkt

1901 meldete Luigi Bezzera ein Patent an, das die Entwicklung der Espressomaschine mitprägte. Zu den technischen Lösungen gehörte das Siebträgersystem. Der Kaffee konnte unmittelbar nach der Bestellung zubereitet werden. Die Unternehmenschronik nennt außerdem die Präsentation einer Maschine auf der internationalen Ausstellung in Mailand 1906. Bezzera über das Patent von 1901 · Unternehmenschronik

Wer heute einen Siebträger einspannt, begegnet damit einem Prinzip mit langer Geschichte. Die damaligen Geräte waren allerdings keine bloß größeren Ausgaben heutiger Haushaltsmaschinen. Ihre Konstruktion und die Kontrolle über den Brühvorgang entwickelten sich erst im Lauf der folgenden Jahrzehnte weiter.

1908: Eine andere Antwort kommt aus Dresden

Während in Italien die Entwicklung des Espressos voranschritt, suchte Melitta Bentz nach einer Lösung für den Kaffeesatz in der Tasse. 1908 ließ sie ihre Filterkonstruktion schützen. Das Deutsche Patent- und Markenamt beschreibt die Verbindung aus einem durchlöcherten Gefäß und Löschpapier, aus der ihr Papierfiltersystem entstand. DPMA über Melitta Bentz

Das war ein bedeutender Schritt für den Filterkaffee, aber noch nicht die Erfindung der elektrischen Filterkaffeemaschine. Solche Unterschiede verschwinden in kurzen Rückblicken leicht. Melitta selbst datiert die Einführung seiner ersten elektrischen Filterkaffeemaschine auf 1965. Zwischen dem Papierfilter und dem elektrisch zubereiteten Kaffee lagen also bei dieser Marke Jahrzehnte. Melitta zur eigenen Entwicklung

Gaggia und Faema: Der Espresso verändert sich

Achille Gaggia arbeitete daran, die Kaffeeextraktion zu verbessern. Seine Chronik nennt 1938 das Patent für das „Lampo“-System und 1947 einen weiteren Schritt mit einem Hebel-Kolben-Mechanismus. Dabei belastet der Hebel eine Feder, deren Kraft den Kolben bewegt und heißes Wasser durch das Kaffeepulver drückt. Die Crema wurde zu einem wichtigen Merkmal dieser Entwicklung. Gaggias historische Stationen

1961 folgte mit der Faema E61 ein weiterer prägender Meilenstein. Eine elektrisch angetriebene Pumpe übernahm die Druckerzeugung. Das erleichterte die Arbeit an der Maschine und gehörte zu den technischen Veränderungen, die den Betrieb moderner Espressomaschinen prägten. Das Museum MUMAC ordnet die E61 ausdrücklich in die Weiterentwicklung früherer Modelle und Patente ein. Auch hier entstand der Fortschritt aus mehreren aufeinander aufbauenden Ideen. MUMAC zur Pumpentechnik · Zur E61 von 1961

1985: Der Vollautomat zieht in den Haushalt ein

Für die Geschichte heutiger Kaffeevollautomaten ist die Saeco Superautomatica ein wichtiger Bezugspunkt. Die Herstellerchronik nennt das Jahr 1985 und bezeichnet sie als ersten vollautomatischen Espressoautomaten für den Haushalt. Bereits zu ihrem Konzept gehörte eine patentierte, zur Reinigung herausnehmbare Brühgruppe. Die Formulierung „für den Haushalt“ ist wichtig: Sie sollte nicht zum Anspruch auf die erste automatische Kaffeemaschine überhaupt verkürzt werden. Philips/Saeco-Chronik

JURA nennt 1986 als Einführung seines ersten Espresso-/Kaffeevollautomaten mit integrierter Mühle. Damit wurde ein Ziel immer greifbarer: mehrere Arbeitsschritte in einem kompakten Haushaltsgerät zusammenzuführen. Die Chronik schildert zugleich, wie anspruchsvoll es war, die Kaffeequalität professioneller Maschinen in den häuslichen Alltag zu übertragen. JURA über die 1980er-Jahre

Ein zweiter Weg zum Knopfdruck: portionierter Kaffee

Im selben Jahrzehnt entwickelte sich auch die Zubereitung mit vorportioniertem Kaffee weiter. Nespresso startete 1986 zunächst im Bürosegment in der Schweiz, Japan und Italien. 1989 folgte laut Unternehmenschronik der Eintritt in den Schweizer Haushaltsmarkt. Damit entstand neben dem Vollautomaten mit Bohnen ein anderer Weg zu einer möglichst unkomplizierten Zubereitung. Nespresso-Chronik

Die Geschichte verlief also nicht wie eine Leiter, auf der jede neue Maschine die vorherige überflüssig machte. Filterkaffee, Siebträger und Vollautomat stehen für unterschiedliche Vorstellungen davon, wie viel Zeit und Handarbeit zur täglichen Tasse gehören sollen.

Was davon in Ihrer Maschine steckt

Für uns bei Espresso Becker ist an diesem Rückblick besonders interessant, wie viele technische Aufgaben vertraut geblieben sind: Wasser erwärmen, Kaffee dosieren, den Wasserweg führen und den Brühvorgang kontrollieren. Ein heutiger Vollautomat verbindet diese Aufgaben auf engem Raum. Das unscheinbare Bauteil im Inneren gehört damit zu einer Entwicklung, die weit vor dem ersten Display begann.

Wenn Sie die Technik hinter Ihrer täglichen Tasse näher kennenlernen möchten, lesen Sie unsere Beiträge über die Aufgabe der Brühgruppe, die Leistungsplatine und die Zuordnung passender Ersatzteile.

Dieser Überblick eröffnet unsere Reihe zur Geschichte der Kaffeemaschine. In den folgenden Beiträgen nehmen wir uns einzelne Erfindungen und ihre Geschichten genauer vor – mit Zeit für die Details, die zwischen den Jahreszahlen liegen.

Quellenhinweis: Grundlage sind die im Text verlinkten Museumsdarstellungen, der historische Fachbericht, das DPMA und Unternehmenschroniken. Aussagen zur jeweils „ersten“ Maschine sind auf die dort genannte Geräteart und den jeweiligen Markt beschränkt. Stand: 15. Oktober 2026.

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